Zu Fuss von Prag nach Anglet

Aus dem französischen übersetzt von Josée Kohl-Harsch

Es galt eine würdige Fortsetzung zu finden für diesen Camino zwischen Tarifa und Bilbao den ich im Mai 2015 beschritten hatte und der die iberische Halbinsel in 2 gleiche Hälften teilt wobei er die Wasserscheide 7 mal durchschneidet.

Carte marches 2015

DAS PROJEKT

Für diese neue grosse Wanderung habe ich mich etwas weiter gegen Norden gewandt. Einige gute Gründe haben mich dazu bewegt :
>> Während der Monate August und September eignet sich die Temperatur im Norden sehr wohl für eine Wanderung während die brütende Hitze im Süden jede Wanderung zur Qual werden lässt. Auch galt es ausdauernde Regengüsse zu vermeiden.
>> Die Vereinigung „Ligne de Partage“ gleich“ Wasserscheide“ wurde in Anglet gegründet und ihre Partnerstadt seit 1968 ist Ansbach in Bayern, eine Stadt die von der Wasserscheide Atlantik (Nordmeer) /  Mittelmeer (Schwarzes Meer) durchquert wird. Eine wunderbare Gelegenheit Bruderschaft und Wasserscheide gleichzeitig zu feiern und dabei die Freuden einer längeren und sinnvollen Wanderung zu geniessen.
>> Während der Vorbereitung meines Weges habe ich überwiegend auf bestehende Jakobswege zurückgegriffen da diese meist gut beschildert sind und auch viele Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Dabei habe ich festgestellt, dass Ansbach recht nahe an Prag liegt. Da die Tscheschei eines der 9 Länder der Wasserscheide A/M ist, lag es nahe meinen Weg in der geschichtsträchtigen Stadt Prag (Praha) zu beginnen.
>> Um von Prag aus zu starten musste ich erst mal hinkommen. Es schien recht leicht in Toulouse ins Flugzeug zu steigen und viereinhalb Stunden später nach einer Zwischenlandung in Brüssel in Prag anzukommen. Aber leider nicht neutral in den CO2-Emissionen (209 kg das ist gleichwertig einer Strecke von 1.700 km allein in einem neueren Mittelklassewagen). Da ich aber zu Fuss nach Hause zurückkehre wird der globale Impakt etwas kleiner sein. Unsere Vereinigung legt sehr viel Wert auf Umweltverträglichkeit. > Ethikcharta
>> Auch sollte diese Wanderung so oft als möglich die Wasserscheide A/M berühren die ich ja dann auch 11 mal überquert habe.

DIE VERWIRKLICHUNG

Pont Charles sur la Vltava. A 6h, il y avait moins de monde !
Karlsbrücke über die Vitawa. Um 6 Uhr morgens noch recht beschaulich.

Le pont Saint-Esprit sur l'Adour à Bayonne, le 6 octobre.
Die Heilig-Geist Brücke über den Adour in Bayonne am 6 Oktober.

Am 1ten August startete ich auf dem Längengrad von Prag im Zentrum am Altstadtplatz (Staromestské namesti) überquerte dann die Karlsbrücke und lief am linken Ufer etwa 15 km an der Vltava (Moldau) entlang. Am 6. Oktober kam ich nach 64 Tagesmärschen in Anglet an, nachdem ich am rechten Ufer des Adour entlang gelaufen war seit ich die Heilig-Geist Brücke in Bayonne überquert hatte. Um 16 Uhr wurde mir im Stadthaus von Anglet ein sehr sympathischer Empfang bereitet. Und Ansbach hier

Carte prague > anglet
Gesamtüberblick des Weges mit den 11 Begegnungen an der Wasserscheide.

Die zurückgelegte Strecke von Prag nach Anglet auf obenstehender Karte zeichnet eine grosse Diagonale von der Tscheschei zum französischen Baskenland. Sie lässt sich in folgende  4 Teile zerschneiden :
483 km von Prag nach Ansbach : gut beschilderte Wege meist durch volle Natur und dichte Wälder führen durch die Regionen Prag (Praha), Zentralböhmen (Stredocesky kraj), Pilsen (Plzensky kraj) und Bayern. In Plzeň, der europäischen Kulturhauptstadt 2015 gönnte ich mir einen Tag Pause. Ebenso in Ansbach mit den Freunden aus der Bruderstadt.
500 km von Ansbach nach Basel (Schweiz) : der Weg führt durch die Regionen Bayern und Baden-Württemberg, dann einen Tag lang durch die Schweiz auf der linken Rheinseite zwischen Koblenz und Basel.
418 km von Basel nah Vézelay : der Weg führt durch das Süd-Elsass (Haut Rhin) dann durch die Bourgogne-Franche-Comté, (Territoire de Belfort, Haute-Saône, Côte d’Or, Yonne).
919 km von Vézelay nach Anglet :  hier handelt es sich um die „Voie de Vézelay“ durch Bourges und Limoges (via Lemovicensis) einem Teil des historischen Jakobsweges. In Saint-Sever verliess ich den Jakobsweg in Richtung Dax, dann folgte ich dem Lauf des Adour auf der linken Seite bis nach Anglet. Dieser Weg führt durch 3 Regionen: Bourgogne-Franche-Comté (Yonne, Nièvre), Zentrum (Cher , Indre) Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes (Creuse, Haute-Vienne, Dordogne, Gironde, Landes, Pyrénées-Atlantiques)

ELF BEGEGNUNGEN AN DER WASSERSCHEIDE A/M
> 1 : Bělá nad Radbuzou (Plzeň) : Am 7 August war der Bürgermeister abwesend hat aber die örtliche Feuerwehr gebeten mich in ihrem Versammlungssaal zu beherbergen da die einzige Pension Radbuza belegt war.

Bělá nad Radbuzou : Kirche, Pension Radbuza, Rathaus…

Colonne traditionnelle de panneaux très soignés... Le partage A/M est vers Valdorf...
Traditionnelle Wegweiserkolonne…die Wasserscheide zeigt nach Valdorf

> 2 : Pilsach / Lauterhofen (Bayern) : Am 11 August wurde ich von 2 Bürgermeistern und einer netten Gruppe in Trautmannshofen an der Wasserscheide auf dem Seeplatz empfangen. Den restlichen Spätnachmittag haben wir dann zu einer Reihe von Besichtigungen an der Wasserscheide genutzt. Ein Video zeigt die fröhliche Stimmung.  artikel Mittelbayerische ; artikel Nordbayern

Trautmannshofen, le 11 août 2015
In Trautmanshofen, Empfang durch die Bürgermeister von Lauterhofen und Pilsach (in den weissen Hemden)

Zone du partage entre Pfettershofen (Pilsach) et Trautmannshofen (
Wasserscheide A/M zwischen Pfefferthofen (Pilsach) und Trautmannshofen (Lauterhofen)

> 3 : Ansbach / Leutershausen (Bayern) : artikel Fränkische Landeszeitung ; artikel Leutershausen ; artikel Ansbach
Eine meiner Prioritäten auf diesem Weg war es, die Stadt Ansbach an der Wasserscheide zu Fuss mir ihrer Partnerstadt Anglet zu verbinden. Am 14. August wurde ich dort sehr gut empfangen und während 2 Tagen habe ich mit den Freunden von Anglet so manche Sehenswürdigkeit und Kuriosität an der bayrischen Wasserscheide erkundet. Am 16ten August sind wir dann zusammen im Regen am Europaïschen  Wasserscheideweg entlanggelaufen. Das war übrigens der einzige Tag während meiner Wanderung an dem ich wirklich durch und durch nass wurde.

A Ansbach avec les amis d'Anglet et le Maire de Leutershausen
In Ansbach mit den Freunden von Anglet und dem Bürgermeister von Leutershausen.

Au sol, symbole de l'Altmühlüberleiter, tunnel acqueduc sous la ligne A/M
Mit Elisabeth, Günther und Sylvie am Eingang des Altmühlüberleiter.
L'Altmühlsee, retenue sur le bassin du Donau, alimente le bassin du Main / Rhein par un tunnel
Altmühlsee fliesst in den Main / Rhein durch einen Tunnel.

A Lengenfeld, sur le chemin de la ligne avec les amis d'Ansbach
In Lengenfeld auf dem Wasserscheideweg unter strömendem Regen aber in Begleitung der Freunde aus Ansbach.

> 4 : Windelsbach (Bayern) : artikel Nordbayern
An diesem Sonntag, dem 16 August, nur wenige Stunden nachdem ich die Freunde aus Ansbach verlassen hatte, wurde mir ein unvergesslicher Empfang in Windelsbach, Gemeinde am Altmühlbecken, Zufluss der Donau, zuteil.

Le Maire à la cravate rouge de Windelsbach et son équipe...
Der Bürgermeister mit der roten Krawatte und seine Leute.

Visite des recoins de Windelsbach avec le Maire !
Besuch der versteckten Ecken von Windelsbach mit dem Bürgermeister.

> 5 : Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) : 3 Artikel hier
Am 25 ten August hatte ich eine Verabredung  im Zentrum des grossen Gebietes von Villingen-Schwenningen und zwar auf einem bewaldeten Hügel am Fusse eines 30 Meter hohen Aussichtsturmes der 1888, also zur gleichen Zeit als der Pariser Eiffelturm erbaut wurde. Von der Spitze des Turms gibt es eine herrliche und unverbaubare Sicht auf die grösste Gemeinde an der deutschen Wasserscheide.

A Villingen-Schwenningen, au pied de la tour de la Wanne
Empfang in Villingen-Schwenningen, zu Fusse des Wanne-Turms.

Photo tour villingen
Aussichtsturm auf der Wanne

>  6 : Hüfingen (Baden-Württemberg) : artikel Schwarzwälder Bote ; artikel Südkurier
Am 26ten August, nachdem mir der Torhüter der Brauerei Fürstenberg in Donaueschingen zugewinkt und mir mit Zeichen verständlich gemacht hatte, dass er mich aus der Zeitung kannte, wurde ich im Stadthaus von Hüfingen empfangen. Dr Gerhard Bronner, der Umweltbeauftragte der Gemeinde bestand darauf mir eine geologische Abhandlung über die verschiedenen Gesteinsarten und Felsen der Gegend zu zeigen.

Accueil en mairie d'Hüfingen...
Empfang in der Gemeinde Hüfingen.

A Hüfingen, on s'intéresse à la géologie et au partage des eaux...
In Hüfingen interessiert man sich für Geologie und Wasserscheide.

> 7 : Blumberg (Baden-Württemberg) : Am 27ten August nach einem frühen Start im Hotel Kranz in Behla, einem der 6 Vierteln von Hüfingen überquerte ich die Wasserscheide mehrere Male im Verlauf meiner Wanderung durch wunderschöne Wälder. Schlussendlich habe ich mich entschlossen meinen Weg zu verlängern und durch Blumberg zu gehen, wo die Wasserscheide allgegenwärtig ist. Der Bürgermeister war  abwesend doch ich durfte im Stadthaus das Projekt der Gemeinden an der Wasserscheide vorstellen. Also abwarten!

Magnifique chemin entre Mundelfingen (Hüfingen) et Blumberg
Wunderbarer Weg zwischen Mundelfingen (Hüfingen) und Blumberg.

A Blumberg, le partage A/M sépare même les lieux de culte
In Blumberg werden sogar die Kirchen von der Wasserscheide getrennt.

> 8 : Pfetterhouse (Alsace) : artikel l’Alsace ; artikel DNA
Nach einem ersten Kontakt am 30ten August am Fussballfeld wurde ich am 31ten August herzlichst von Marcel, dem Pilger aus Bollwiller empfangen. In Pfetterhouse, knapp 50 m von der Schweizer Grenze entfernt,  wird die Wasserscheide seit 2003 plastisch dargestellt durch ein grosses Schild in der Achse des Fussballfeldes. Wunderbarer Gedankenaustausch bei einem Glas Wein.
> Pfetterhouse, la pionnière !

Avec le Maire de Pfetterhouse, devant le panneau du partage des eaux
Mit dem Bürgermeister von Pfetterhouse vor dem Schild mit den Erklärungen zur Wasserscheide.

Match du dimanche 30 août sur la ligne A/M
Fussballspiel auf der Wasserscheide am Sonntag, den 30ten August.

> 9 : Bellemagny (Franche-Comté) : Am 1sten September bei meiner Ankunft in Bellemagny wurde ich im 1851 gegründeten Kloster der Benediktinerinnen untergebracht. Am Abend empfingen mich der Bürgermeister und seine Gattin um in gemütlicher Runde die Welt rund um die Wasserscheide neu zu erfinden.

Le couvent de Bellemagny héberge aussi les marcheurs au long cours...
Das Benedikterinnenkloster in Bellemagny beherbergt auch die Wanderer.
Eglise du couvent des Bénédictines de Bellemagny
Kirche des Benedikterinnenkloster in Bellemagny.

> 10 : Langres (Haute-Marne)Artikel aus der Haute-Marne Zeitung
Am 7ten September holte mich der Präsident der Vereinigung Chemin de l’eau (=Weg des Wassers), Jean-Claude Fourtier, in Til-Châtel ab. Rundum Langres haben wir den Tunnel von Balesmes  auf dem Kanal von der Marne zur Saône erkundet und wir sind zum Dreipunkt der Flüsse Meuse, Seine, Rhône de Récourt (Gemeinde Val de Meuse, Haute-Marne) gepilgert. Langres gehört nicht zu den Gemeinden an der Wasserscheide trotzdem sind hier das Wasser und die Wasserscheide omnipräsent.

Au-dessus de l'extrémité nord du tunnel de Balesmes.
Über dem Nordausgang des Tunnels von Balesmes.

Par ici, la ligne A/M passe par par le tripoint Meuse / Seine / Rhône...
Hier verläuft die Wasserscheide am Dreipunkt von Meuse/Seine/Rhône.

> 11 : Chanceaux (Côte-d’Or) : Am 8ten September führte mich ein langer Weg nach Chanceaux denn ich musste meinen Termin mit dem Bürgermeister der Gemeinde einhalten. Der Bürgermeister in vollem Einsatz für seine Gemeinde beherbergt auch Pilger. Anwesend war auch eine Journalistin des Bien-Public, Zeitung der Côte-d‘Or, aber leider habe ich den Artikel nie gesehen.

Photo panneaux chanceaux

Zone du partage au-dessus de Chanceaux
Wasserscheide über Chanceaux

DANKSAGUNGEN
Meine einsame, kulturelle und sportliche Wanderung wurde wirklich erleichtert und verschönert durch die sehr motivierten Empfänge durch die Gemeinden entlang der Wasserscheide. Mein herzlicher Dank gilt also diesen Gemeinden die, so hoffe ich, auch weiterhin den Gedanken und die Vereinigung unterstützen werden. Ich danke ebenfalls unserem Luxemburger Mitglied Joseph Kohl, der sich so hervorragend um die Begegnungen mit den deutschen Gemeinden bemüht hat.
Danke an alle die mich von nah oder von fern unterstützt und aufgemuntert haben sei es auf dem Weg selbst, durch Publikationen oder auch auf Facebook. Das Wohlwollen das sie uns entgegenbringen hilft uns unbestreitbar bei unseren Projekten.
Jeder langer Wandertag endete in einem gemütlichen Bett obschon das nicht immer leicht zu finden war. Aber schlussendlich war ich nie gezwungen unter freiem Himmel zu schlafen. Die Hälfte meiner Nächte verbrachte ich in Hotels, Pensionen, Jugendherbergen oder Gästezimmern meist zu sehr guten und erschwinglichen Konditionen. Ein besonderes Lob gilt der Qualität, den Preisen und den hervorragenden Frühstücken im deutschen Herbergswesen. Meine schlechteste Erfahrung ist leider französisch, das Hotel du Commerce in Semur-en-Auxois, ebenso unvergesslich.
Die andere  Hälfte meiner Nächte verdanke ich dem „System Geschenkt“ in der Hoffnung, dass das andauert und sich ausweitet. Ich danke den Jakobsvereinigungen und den Gemeinden die den Pilgern eine angenehme Übernachtungsmöglichkeit anbieten.
Schlussendlich danke ich allerherzlichst all jenen die mich grosszügig zuhause empfangen haben, meist sogar ohne mich zu kennen. Ihre Namen sollen diesen Artikel beschliessen…
Elisabeth – Günther – Barbara – Helmut – Françoise – Marcel – Jean – Olga – Jean-Claude – Monique – René – Pierrette – Louis.

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